Rheinland-Liga: Ein ganzer Meter Bier für müde Kicker-Beine – Foto-Galerie
et | 27.07.2010 | 0 Komentare | subfeatured
Was tut man nicht alles für “einen Meter Bier”? Natur-Doping für Rheinland-Liga-Kicker – fernab jeder Chemie und streng nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1516. So lange, wie es diese deutsche Institution schon gibt, stehen die Protagonisten der Aufsteiger aus Schweich und Tarforst noch nicht im Training. Doch auch drei, respektive vier Wochen haben ihre Spuren hinterlassen. Die Kondition ist gemacht, jetzt geht es langsam an die Regeneration vor dem Saisonstart Mitte August. Ein kleiner, aber feiner Test wie am Montagabend auf der schmucken Kunstrasenanlage in Bekond kommt da gerade recht – als willkommene Abwechselung vom Trainingsalltag.
Foto: Hoch das Bein – FSV-Kapitän Simon Krugmann (links) im Duell mit Mosella-Neuzugang Nico Toppmöller.
Die Mosella aus Schweich ist erst am Sonntag vom zweitägigen Trainingslager in Geichlingen mit vier Einheiten pro Tag zurückgekommen. Den FSV aus dem Trierer Höhenstadtteil hingegen plagen nach wie vor personelle Sorgen. Viele angeschlagene Spieler – der Tribut an die verlängerte Saison mit Relegation und nachträglichem Aufstieg. Auch der Erfolg hat eben durchaus eine Kehrseite. Das jedoch nehmen die Männern von Trainer Dirk Fengler gerne in Kauf. So einen Aufstieg bekommt man schließlich nicht alle Tage auf dem silbernen Tablett serviert. Die Welt ist umso mehr in Ordnung, wenn wie man Montagabend der Meister aus Schweich geschlagen werden kann. Zugegeben: nur im Elfmeterschießen – nach einem leistungsgerechten 0:0-Unentschieden über 90 Minuten. Aber immerhin: ein Ausrufezeichen knapp drei Wochen vor dem Saisonstart.
Tarforster “Held” an diesem doch sehr frischen Sommerabend war die etatmäßige Nummer zwei der Rot-Blauen: Daniel Bauer parierte nicht nur zwei Strafstöße, sondern versenkte den entscheidenden Elfmeter gegen den Schweicher Kollegen Harald Emmrich. Der “Meter Bier” für die Nachspielzeit in Bekond war also gerettet. Mit 6:5 im Duell vom Punkt holte sich der FSV den begehrten Gerstensaft – erquickend und labend nach getaner Arbeit.
Zuvor hatten beide Trainer eine zwar torlose, aber ansprechende Partie gesehen. “Das war ein 0:0 der besseren Sorte”, sagte Fengler noch im Kreise seiner Männer vor dem bedeutungslosen Elfmeter-Schießen, “wir haben uns gut bewegt. Zwei Mannschaften auf Augenhöhe – das ist immer eine optimale Standortbestimmung. Ich bin sehr zufrieden.” Der Ex-Profi wertete den Stand der Vorbereitung ebenfalls als “sehr gut” – vor allem angesichts der Saisonverlängerung, in die seine Mannschaft habe gehen müssen.
Hans Schneider zollte seiner Mannschaft ebenfalls Respekt. “Das Tempo war hoch”, so der Schweicher Trainer, “auch wenn wir in der zweiten Halbzeit phasenweise unseren Rhythmus verloren haben. Aber das ist in der Phase der Vorbereitung ganz normal. Außerdem hatten wir das zweitägige Trainingslager in den Knochen – das war einfach zu spüren.”
Die rund 200 Zuschauer am Bekonder Kunstrasenplatz sahen zwei Teams, die nicht nur auf Augenhöhe waren, sondern sich über 90 Minuten hinweg neutralisierten. Zwei starke Abwehrreihen mit aufmerksamem und laufintensivem Mittelfeldspiel erstickten quasi alle Offensivbemühungen im Keim – Torchancen waren folglich hüben wie drüben Mangelware. Die beste Möglichkeit in der gesamten Partie vergab FSV-Torjäger Patrik Kasel in der 90 Minute praktisch mit dem Schlusspfiff. Der 24-Jährige setzte den Ball freistehend per Kopf nach Flanke des emsigen Ramon Jahn ein paar Zentimeter über das Tor. Geschuldet war auch dies sicher der Müdigkeit nach drei Wochen hartem Training. Kasels Beine wollten nicht so, wie der Kopf wollte – er kam nicht über den Ball, konnte die Kugel folglich nicht drücken.
Für den Mann mit der eingebauten Torgarantie war es die einzige nennenswerte Chance im gesamten Spiel. Auch das ein Zeichen für die Abwehrstärke der Mosella. Kasel bewegte sich gut, ging weite Wege, kam aber nicht so zum Abschluss, wie das für ihn üblich ist. Zudem funktionierte die Abstimmung mit dem neuen Partner Sven Simon noch nicht so, wie Kasel das aus der vergangenen Saison gewohnt war. Da hatte er mit Simon Krugmann eine kongeniale Ergänzung an seiner Seite. Heuer rückte Krugmann, der in Bekond für den weiter verletzten Stefan Castello die Kapitänsbinde trug, ins Mittelfeld zurück. Nach wie vor muss Fengler auf seinen kreativen Kopf verzichten. Auch in Bekond war Castello nach seinem Mittelfußbruch noch mit Gips und Krücken unterwegs.
Was für die Offensivabteilung des FSV galt, bekamen auch die Spitzen der Mosella auf der Gegenseite zu spüren. Lagen Kasel und Simon bei Jochen Weber und Max Gäbler eng an der Kette, hatten Giovanni Cumurdella und Eugen Keller ihre liebe Müh’ und Not mit Jan Gottschalk und Martin Gorges im Abwehrband des FSV – auch hier kein Durchkommen für die TuS-Angreifer.
Außer der Großchance für Kasel waren die Möglichkeiten auf beiden Seiten exakt an einer Hand abzuzählen. Patrick Quary von der Mosella setzt in der 21. Minute einen 20-Meter-Kracher über das Tor, drei Minuten später tritt Krugmann nach blitzsauberer Vorarbeit von Nils Peter Spruck zehn Meter vor dem Gehäuse über die Kugel. Auch Mosella Kapitän Michi Rohr versuchte sich aus der Distanz (42.) – ebenfalls ohne sichtbares Resultat.
In den zweiten 45 Minuten sorgten nur noch die Chancen durch Spruck (72.) und Nico Toppmöller (76.) für einen Aha-Effekt bei den Zuschauern. Sprucks Möglichkeit wurde von Emmrich mit einer Glanzparade entschärft, Neuzugang Toppmöller, der eine gute Leistung im Mosella-Dress ablieferte, setzte den Ball ebenso wie die Kollegen Rohr und Quary über die Querlatte.
So trennte sich der Meister der letzten Bezirksliga-Saison vom Vizemeister in einer durchaus ansprechenden Partie schiedlich, friedlich mit einem torlosen Remis. Ausgenommen natürlich das Elfmeterschießen. Doch das war schlussendlich nur dazu da, den prickelnde Gerstensaft an den Mann zu bringen.
(et) Fotos: Anna Lena Bauer
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