Paris, Köln, Kürenz – Zwei Spieler, drei Anker – Daheim auf Roter Erde
et | 28.07.2010 | 15 Kommentare | Kreisliga
Von
Eric Thielen und Anna Lena Bauer (Fotos)
Ihre Heimat ist die Rote Erde. Hoch oben auf dem “Mons Martis”, den der moderne Trierer nur als Petrisberg kennt. Dort, wo im Winter die Kälte aus den roten Sandkristallen stahlharte Klumpen macht, im Sommer indes jeder Schritt die roten Staubnebel aufwirbelt. Zwischen Avantgarde-Kunst und High-Tech-Wissenschaft liegt das archaische Feld, ein roter Fleck, Heimstatt des Traditionsvereins FSV Trier-Kürenz. Dieser knappe Hektar Land, Woche für Woche von Stollen beackert, passt nicht in das Bild der Umgebung. Futuristisch anmutende Gebäude, zweckdienlich und doch sehenswert. Goldgelber Sand am benachbarten Beach-Volleyball-Feld, sattgrüne Wiesenflächen zur Erholung – die modernen Gladiatoren im roten Staub als Fremdkörper, als seien sie über die Jahrhunderte nur ein paar Meter weiter den Berg hinaufgezogen. Vom Amphitheater auf den Mons Martis.
Foto: Ein Bild des Schreckens für alle Gegner – Jerome “Jay Jay” Hermann (links) und Andreas “Poldi” Weirich am Ball.
Als Jerome Hermann zum Training kommt, hat er keinen Blick für die Umgebung. Die ist ihm längst zur Gewohnheit geworden. Ein Lächeln für die Kollegen, ein lautes “Hallo”, eine freundschaftliche Geste für den Sturmpartner. Er braucht noch ein paar Minuten, um die Straßenkleidung gegen kurze Hosen, Stutzen und Shirt zu tauschen. Dann steht er da. Sein Trainer hatte kurz zuvor noch behauptet, er sei etwas kamerascheu – mit einem Augenzwinkern. Davon ist wirklich nichts zu spüren. Das Haarband auf akkuraten Sitz überprüft – es kann losgehen. Nur zwei Schritte entfernt beobachtet Andreas Weirich die Szene. Jener Mann der Schwarz-Weißen aus dem Trierer Stadtteil, den alle nur “Poldi” nennen. Hermann ist der “Jay Jay”, Stürmer wie Weirich. Die Unterschiede liegen im Äußeren – und in den Schuhen. “Poldi” trägt Schwarz mit drei Streifen, “Jay Jay” tänzelt mit Tretern ganz in lila. “Die in orange sind verschwunden”, sagt er und blickt skeptisch an sich selbst hinunter, “jetzt muss ich mir ein paar neue kaufen, auf eigene Kosten – schöner Mist.”
Der schwarze Haarpilz auf dem Kopf hingegen ist Absicht – ein Markenzeichen. Stolz schwingt in der Stimme mit, wenn er sagt: “Mein Papa ist Franzose.” Diese Wurzel will der 22-Jährige nicht verleugnen. Auch nicht, dass die Kindheit alles andere als einfach war. Doch darüber will er nicht viele Worte machen. “Ich bin nach Belgien ins Internat – und das war auch besser so. Wer weiß, wie es geendet hätte, wäre ich am Beutelweg geblieben.” Der Vater ist heute Polizist in Paris. Als die Sprache auf die Mutter kommt, schweigt “Jay Jay” kurz und zeigt dann auf das Tattoo an seinem rechten Unterarm. Eine leichte Melancholie steht jetzt in den schwarzen Augen. “Sie ist früh gestorben – viel zu früh.” Er wohnt beim Onkel in Biewer, spielt Fußball und macht gerade eine Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann. Hermann erzählt, Weirich hört zu – dem Partner, der inzwischen auch zu einem Freund geworden ist, trotz des Altersunterschiedes.
Acht Jahre liegen zwischen den beiden und jede Menge Erfahrung. Der Jüngere profitiert vom Älteren – und manchmal ist es auf dem Platz auch umgekehrt. Zusammen jedoch lehrten sie die Gegner in der vergangenen Saison das Fürchten. 78 Tore erzielte Kürenz in der abgelaufenen Runde in der Kreisliga C/Saar – 61 davon gingen auf das Konto von “Poldi” und “Jay Jay”. 35 Buden für den Älteren, 26 für den Jüngeren – das Vorrecht des Alters und der Erfahrung. “Die Hälfte von seinen Toren hab’ ich ihm aufgelegt, er die Hälfte meiner”, sagt Hermann und blickt hinüber zum Kollegen. Weirich nickt, und der Trainer im Hintergrund stellt die Ohren. “Sie ergänzen sich einfach optimal”, sagt Frank Reinemer, der zusammen mit Weirich und Hermann in der neuen Saison angreifen will. Der Trainer schränkt ein: “Es wird sicher nicht einfach, auch wenn wir heuer stärker sind als in der letzten Runde.”
“Jay Jay” ist da forscher – das Vorrecht und die Unbekümmertheit der Jugend. “Ich will Meister werden, und ich will sechs Punkte gegen Olewig.” Unten im Tal hat er vorher gespielt – nach den fünf Jahren Pause, in denen er auf Fußball “einfach keine Lust” mehr hatte. Die Parallele zu “Poldi”. Auch Weirich hing das runde Leder zwischendurch zum Halse ‘raus. Drei Jahre lang war er weg von der Bühne, dann ist er nach Kürenz zurückgekehrt. “Na klar, das ist doch mein Heimatverein.” Der 30-Jährige kann sich nicht vorstellen, für einen anderen Verein zu spielen. “Ich fühle mich hier pudelwohl”, sagt er. Wieder geht der Blick hinüber zu Hermann. Jetzt nickt der “Jay Jay”. Sie verstehen sich. “Sicher hatte ich Angebote aus höheren Ligen – bei 35 Toren in der Saison ist das normal. Aber ich will hier nicht weg. Ich will Spaß haben und vielleicht mit Kürenz aufsteigen.” Weirichs heimlicher Traum.
Der Mann, der nur einen Steinwurf weit vom Petrisberg entfernt “Am Weidengraben” wohnt, ist von Beruf Mechaniker und – verheiratet. “Nein, keine Kinder – noch nicht.” Doch es ist nicht das sympathische Lächeln, mit dem er diesen Satz unterstreicht, das ihm den Spitznamen “Poldi” eingebracht hat. Weirich ist eingefleischter Fan der “Geißböcke” aus Köln – mit Dauerkarte, versteht sich. “Als der Poldi damals in der 2. Liga so gut drauf war, haben sie mir den Namen angehängt.” Eine Ehre für ihn. “Wenn es geht, bin ich immer bei den Spielen des FC – das ist für mich Pflicht.”
Die Erfahrung, aber auch die Weisheit des bereits fortgeschrittenen Fußballer-Alters gebieten ihm, etwas vorsichtiger bei der Prognose für die kommende Saison zu sein. Was den FSV angeht, nicht den 1. FC Köln. “Wir wollen oben mitspielen.” Der Satz steht wie in Stein gemeißelt. “Vor allem aber dürfen wir nicht mehr so abschmieren wie am Ende der letzten Runde. Das hat uns den Aufstieg gekostet.” Da geht er mit seinem Trainer konform. “Uns hat einfach zum Ende hin die Substanz gefehlt”, sagt Reinemer. Deshalb ist die Mannschaft in allen Teilen gezielt verstärkt worden. “Es sind gute Jungs, die zu uns gekommen sind – sportlich wie menschlich.” Darauf legt der Trainer besonderen Wert. “Alle sind hier miteinander befreundet. Anders geht das gar nicht, weil wir kein Geld bezahlen können. Nur über das freundschaftliche Wir-Gefühl ist der Erfolg zu erreichen.”
Auch die beiden Schrecken der gegnerischen Abwehrspieler sind Freunde. Meistens. Aber doch nicht immer. “Jay Jay” ist Fan der Fußball-Franzosen aus Lyon. Auch dies eine Verbeugung an seine väterlichen Wurzeln. Als er jedoch hört, dass Kollege “Poldi” auf italienische Küche steht, zieht er die Augenbrauen hoch und schüttelt heftig den Kopf mit der schwarzen Haarpracht. “Ach was, die beste Küche ist die französische, das ist doch klar.” Weirich lächelt. “Meinetwegen, aber dafür bringst du die Bälle mit auf den Platz.” Dorthin, wo die anderen längst ihre Runde drehen. Auf der Roten Erde, wo beide daheim sind. Zwei, drei Schritte, dann hat der rote Staub auch ihn verschluckt – den 61-Tore-Sturm des FSV Trier-Kürenz.
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Wo bin ich hier, beim Spiegel? Einfach klasse und starke Bilder!
Super Artikel. Ein Kompliment an den Schreiber dieses Artikels. Weiter so.
Einfach nur super. Kreisliga auf ganz neuem Niveau.
Da scheint wohl jemand sehr verliebt in den FSV Kürenz zu sein….?!Weil sonst kann mann ja über keine andere Mannschaft aus der C oder B soviel lesen wie über den FSV Kürenz.61 Tore in der C Klasse Saar Wahnsinn.Da versteckt sich Kürenz vor der stäkeren Stadtmannschaften und will dieses Jahr aufsteigen?
Naja, da gibt es aber leider ganz andere Formate in der Trierer Klasse die dieses Jahr das Rennen machen.
Also ich bin mir ganz sicher das Kürenz dieses Jahr um den Aufstieg mitspielen wird, in diesem Team steckt eine menge Protential das hat man auch gegen St. Matthias gesehen
I love kürenz.
was soll der **** gibt es in Trier nur Kürenz oder was?
was ist mit den anderen Mannschaften?
Kürenz und Aufstieg ich glaub ich Spinn aber nicht im Kreis Trier hier wird Fussball gespielt nicht wie Im Kreis Saar. Hier in Trier müssen sie aufpassen das sie die Klasse halten
Warum hat Kürenz so viele Neider?????
Das kann ich nicht verstehen…..aber naja wir werden sehen was sie bringen werden und denke das sie den ein oder anderen überzeugen werden.
Also spätestens in Winterpause werdet ihr Stumm sein.
Ich persönnlich werd ein paar spiel gucken gehn….
Neider?Also ich muss da meinen Vorredner leider Recht geben…
Man sollte vielleicht Mannschaften wie Mariahof nicht vergessen.
Kürenz kommt mit Glück unter die ersten 3.Aber wie gesagt in der Winterpause wird man sehen…
ja gut das kann natürlich sein…aber was will man über mariahof wissen???wieviel die einzelnen Spieler an Geld hintenherum bekommen???
Und 5-6 mannschaften bestechen wohl nur mit ihrer Unsportlichkeit.
Dann lieber nur über positve sachen….
Klar gibt es andere.
Kompliment für diesen Bericht.
Mir gefallen auch viele andere Stadtvereine besser als der FSV jedoch muss man auch die Zusammenarbeit der Vereine mit moselkicker.de sehen.
Es liegt an jedem Verein auch ein bisschen selbst wann ich das richtig verstehe ob und wie ausführlich über diese berichtet wird.
Super Bericht!
Alles andere hier ist Kindergarten!
Es wird mit Sicherheit eine schöne und spannende Saison.
Ich gehe nicht davon aus,dass sich eine Mannschaft absetzen kann. Dafür ist die Klasse zu stark. Aber Kürenz wird oben dabei sein, allein schon aus dem Grund, weil die Mannschaft Disziplin hat im Gegensatz zu einigen anderen Teams.
Einige andere Teams werden sich durch Karten und Streit in der Mannschaft selbst schwächen.100%!
Mann sieht an den heutigen Ergebnissen wie stark und ausgeglichen die Klasse ist.
Kürenz gewinnt 7:0.
Mariahof gewinnt 11:1.
Ralingen 6:0
Die Alemania 6:1.
Aber nicht schlimm Fussballfan Du kennst Dich bestimmt in anderen Sachen gut aus.100%!
Ja Fussballfan
du weisst ja ganz gut über andere Vereine bescheid. Und was soll das mit Mariahof und dem Thema Geld?
Als ob ein Weirich umsonst in Kürenz spielt.
Ich weiss von paar kollegen das das Verhältnis in Mariahof viel besser ist als jemals zuvor, und das mit den Karten ich habe gestern keine Einzige Gelbe Karte im Spiel Von Mariahof gegen Irsch gesehen.
Also erst mal Sachen beweisen ansonsten immer schön das Maul halten
FußballFan möchte darauf hinweisen das er nicht Fussballfan ist.
Naja und bei einem Gegner gegen den man 11:1 gewinnt braucht man sich ja auch net aufzuregen und sich Karten abholen. Warten wir mal die Spiele ab in denen es eng wird und bei denen es um was geht.
@Gordon : wer lesen kann ist klar im Vorteil…ich habe geschrieben, dass ich nicht glaube das sich eine Mannschaft absetzen kann da viele starke Mannschaften in der Klasse sind! Wenn man die Ergebnisse sieht, wird das ja auch bestätigt! Des Weiteren, kann man eine komplette Saison nicht am 1. Spieltag vorher sagen! 100%
@Sven : Wie kommst du darauf das ich Mariahof meine in Sachen Karten??? Und was hab ich zum Thema Geld geschrieben???Hab ich was verpaßt?