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Eintracht Trier: Wenn St. Paulin zum Angelus läutet…

Als die Glocken der nahen Paulinkirche zum Angelus läuten, versenkt Stefan Kohler den Ball im linken oberen Winkel. 12 Uhr im Moselstadion – und ein paar Sekunden darüber. Der Mann aus der Schweiz dreht lachend ab – mach’ mir den Luca Toni. Die Hand am Ohr, der berühmte Dreher. Beifall von den Kollegen, der Chef hingegen schweigt. Einige Minuten später eine ähnliche Szene: Diesmal setzt Kohler die Kugel weit über die Latte in den Trierer Himmel. Der Chef blickt hoch, lächelt kurz und gibt seinen Kommentar ab: “Jetzt hat der Kohler endlich Normalform.” Ein Scherz zwischen Trainer und Spieler, ein letzter Ansporn, die Konzentration bis zum Ende hochzuhalten.

Foto: Mach’ mir den Luca – Stefan Kohler in Tonis Spuren. Der Schweizer ist die zentrale Schaltstelle vor der Abwehr im System von Roland Seitz.

Roland Seitz steht an der Seite bei diesem einzigen Training am Donnerstag, wie immer in weißen Stutzen, akkurat bis kurz unter die Knie hochgezogen. Sein zweites Markenzeichen: die kurze weiße Sporthose. Die blaue Trainingsjacke ist bei leichtem Schauerwetter obligatorisch. Der Oberpfälzer blickt mit Argusaugen auf seine Profis. Eintracht Trier ist auf der Zielgeraden vor dem Saisonstart am 8. August beim Erzrivalen aus der Pfalz – dem 1. FC Kaiserslautern. Kein Spiel wie jedes andere für die Fans des blau-schwarzen Traditionsvereins von der Mosel – das weiß auch Seitz. Einmal wird zuvor noch getestet: am kommenden Samstag (18 Uhr) im heimischen Moselstadion gegen Jeunesse Esch, den Meister aus Luxemburg – bei freiem Eintritt für alle Fans.

Bis dahin will Seitz auch die Frage nach dem Kapitän geklärt haben. “Am Samstag ist klar, wer in der neuen Saison mein verlängerter Arm auf dem Platz ist – vorher nicht.” Klar sind inzwischen neun Positionen – und auch, wie die zentrale Achse im Spiel des SVE aussieht. Klar ist aber auch, dass der Regionalligist voraussichtlich ohne einen weiteren Stürmer in die neue Saison gehen wird. “Ich will Qualität”, sagt Seitz, “und die ist für das Geld, das wir bezahlen können und auch wollen, momentan noch nicht zu haben.” So deutet alles auf das Sturmduo Nico Patschinski und Thomas Kraus hin. Seitz nickt kurz im Gespräch mit moselkicker.de und sagt dann: “So schaut’s wohl aus – keine Überraschung.”

Das Angelus-Geläut von St. Paulin ist längst verklungen, da bekommt auch der Altmeister seinen Spruch ab. Patschinski schlenzt die Kugel mit dem linken Außenrist an Torwart Nicolas Bach vorbei ins Netz. “So wie du heute drauf bist, ist das der klassische Fall für einen Bänderriss”, sagt der Chef mit erhobener Stimme. Patschinski murmelt ein paar Worte in den nicht vorhandenen Bart – er weiß, was gemeint ist. Der Altmeister gehört zur Abteilung “Attacke”, die Seitz unter seinen Fittichen hat – neben Julian Bidon, Tim Eckstein und Kraus. Die neue Kreativität liegt in den Füßen von Piero Saccone, Alban Meha, Tolgay Asma und dem Schweizer Kohler. Letzterer vor der Abwehr in der Spieleröffnung, Meha, Asma und Saccone eher im offensiven Mittelfeld – links, rechts und zentral. Alle anderen üben zum Abschluss des Trainings 30 Meter entfernt Flankenläufe – Thomas Drescher auf links, Namensvetter Thomas Kempny und Olivier Mvondo auf rechts. In der Mitte wuchten Josef Cinar, Johannes Kühne und Max Bachl-Staudinger die Bälle mit den Schädeln in die Maschen. Nicht immer, aber immer öfter – je länger das Spielchen sich fortsetzt.

Foto: Der Mann mit den weißen Stutzen und der kurzen weißen Hose – Seitz sagt: “Ich muss dafür sorgen, dass die Jungs bis zum 8. August frisch sind.”

Der Fußball-Lehrer aus Franken wechselt zwischen Ermahnung und Ansporn. “Macht die Tore, Männer”, ruft er zwischendurch, “holt euch das Selbstvertrauen, habt Spaß dabei.” Sie folgen dem Rat des Chefs. Bach fliegen die Bälle nur so um die Ohren, immer vom linken Fuß aus – der rechte ist tabu. Üben, üben, üben: Anlauf, Schuss, Tor. Einer ärgert sich ganz besonders, wenn das Leder nicht so will, wie er das gerne hätte. Thomas Kraus, der Mann mit den kurzen blonden Haaren, schimpft mit sich selbst, wenn die Kugel über das Gehäuse geht. Jeder Schuss muss ein Treffer sein – Kraus ist Perfektionist bis in die Haarspitzen.

Der Chef ist zufrieden. “Die Jungs sind heiß”, sagt der 45-Jährige mit Anerkennung in der Stimme, “da muss ich nicht mehr viel machen. Ich muss nur dafür sorgen, dass sie bis zum Saisonstart frisch sind.” Im Fall André Poggenborg (Zehenbruch) sind aber auch Seitz die Hände gebunden. “Der Heilungsprozess macht Fortschritte, das bestätigt auch unser Mannschaftsarzt, der sich die CT-Bilder angesehen hat. Allerdings wird es noch zehn bis zwölf Tage dauern, ehe André wieder voll ins Training einsteigen kann.” Soll heißen: Seitz geht mit Andreas Lengsfeld, der am Donnerstag wegen leichter Oberschenkelprobleme pausierte, und U23-Schlussmann Nicolas Bach in die Saison.

Ansonsten sind alle Mann an Bord – auch Torge Hollmann, der seine Oberschenkelprobleme überwunden hat. “Ich hoffe”, so Seitz, “dass sich bis zum 8. August keiner mehr verletzt.” Von Zurückhaltung im Testspiel am Samstag gegen Esch will der Chef allerdings nichts wissen. “Nein, ich erwarte, dass alle Leistung zeigen – von der ersten bis zur letzten Sekunde. Noch sind nicht alle Positionen vergeben. Das muss jeder Spieler im Hinterkopf haben.” Vom luxemburgischen Meister erhofft sich der Oberpfälzer entschiedene Gegenwehr. “Grevenmacher war schon eine Nummer stärker als Niederkorn. Ich gehe davon aus, dass Esch uns noch stärker zusetzen wird, damit die Jungs richtig gefordert werden.”

Foto: Wieder an Bord und mit vollem Einsatz – Torge Hollmann hat seine Oberschenkel-Probleme überwunden.

Danach will Seitz seine Jungs in der noch verbleibenden Zeit intensiv auf den ersten Gegner vorbereiten. “Wir werden uns in der kommenden Woche mit dem FCK beschäftigen. Dieses erste Spiel ist sehr wichtig.” Zumal für den SVE in der Vergangenheit auf dem Betzenberg nichts zu holen war. Das soll sich am 8. August ändern. Mit den Glocken von St. Paulin in den Ohren – gegen die “Roten Teufel” des Erzrivalen.

Eintracht Trier – Jeunesse Esch, Samstag, 18 Uhr, Moselstadion (Eintritt frei).

AM RANDE

Weil die Bundesliga-Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern am 7. August ein Testspiel gegen den FC Aberdeen im Fritz-Walter-Stadion austrägt, wurde das ursprünglich für diesen Tag angesetzte Meisterschaftsspiel von Eintracht Trier gegen die U23 des FCK auf Sonntag, 8. August, verlegt. SVE-Geschäftstellenleiter Dirk Jacobs hatte sich beim Treffen der Regionalliga-Vertreter energisch gegen eine Spielverlegung ausgesprochen – ohne Erfolg. “Ich bekam als Antwort, dass Spiele der Lizenzmannschaften immer vorgehen – auch wenn es sich nur um Freundschaftsspiele handelt”, so Jacobs gegenüber moselkicker.de, “auch mein Vorschlag, die Partie auf Freitagabend vorzuziehen, wurde abgelehnt.” Für den Geschäftstellenleiter des SVE eine nicht nachvollziehbare Entscheidung: “Es kann doch nicht sein, dass Freundschaftsspiele Vorrang vor Meisterschaftsspielen haben. Das ist einfach ein Unding.”

(et) Fotos: Anna Lena Bauer



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